Liebe


Johanna von Chantal und Franz von Sales

  • „Wir können die Mitmenschen nie zu viel lieben und somit auch in der Liebe nie die Grenzen der Vernunft überschreiten, sofern die Liebe wirklich im Herzen wurzelt; die Äußerungen der Liebe allerdings können verkehrt, übertrieben und unvernünftig sein. Der glorreiche hl. Bernhard sagt: ‚Das Maß der Liebe zu Gott ist Liebe ohne Maß.’ Und weiter sagt er: Setze der Liebe keine Schranken, lasse sie ihre Äste breiten, so weit sie nur kann. Was für die Gottesliebe gilt, das gilt auch für die Nächstenliebe; doch muss die Liebe zu Gott den Ton angeben, muss den höchsten Rang einnehmen. Tut sie das, dann dürfen wir unsern Mitmenschen so viel Liebe schenken, als wir nur immer haben. Es darf uns nicht genug sein, sie nach göttlichem Gebot nur zu lieben wie uns selbst; wir müssen sie mehr lieben als uns selbst; das ist das Gebot der Vollkommenheit, so lehrt es uns das Evangelium: ‚So, wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben,’ (Joh 13,34; 15,12) sagt der Herr.“
    (DASal 2,66f).

  • "Die Liebe ist gütig, sie ist geschmeidig, sie ist geduldig und schließlich tut sie alles. Gott, der die Liebe selbst ist, möge Euch alle in seinem heiligen Dienst erhalten. Bei ihm bitte ich Euch, mich an Euren Gebeten teilhaben zu lassen ..."
    (DASal 8,312).

  • "Das Heil ist dem Glauben gezeigt, der Hoffnung bereitet, aber nur der Liebe geschenkt."
    FRANZ VON SALES

  • "Die Gottesliebe heißt Gnade, insofern sie unserer Seele Schönheit verleiht und uns der göttlichen Majestät wohlgefällig macht; sie heißt Liebe, insofern sie uns Kraft zu gutem Handeln gibt; wenn sie aber jene Stufe der Vollkommenheit erreicht, dass wir das Gute nicht nur tun, sondern es sorgfältig, häufig und rasch tun, dann heißt sie Frömmigkeit."
    (DASal 1,34)

  • "Die Liebe allein bestimmt den Wert unseres Tuns."
    (DASal 6,368)


  • "Die Liebe zerstört nicht, sie vollendet alles."
    (DASal 2,257)

  • "Die Liebe zu verlieren ist der einzige Verlust, den wir in diesem Leben fürchten müssen."
    (DASal 6,155)

  • "Auf dem königlichen Schiff der göttlichen Liebe gibt es keine Galeerensklaven, sondern nur freiwillige Ruderer."
    FRANZ VON SALES (nach Camus, S. 114)

  • "Die wahre Liebe hat kaum eine Methode."
    (DASal 6,276)

  • "Liebe ist Demut, die zur Höhe steigt, Demut ist Liebe, die sich niederneigt."
    (DASal 2,119)

  • "Die Liebe macht jene gleich, die einander lieben."
    (DASal 6,50)

  • "Das beste Mittel Gott zu lieben ist, dass man ihn täglich mehr liebt."
    FRANZ VON SALES (nach Camus)

  • "Alle Tugenden, wie großartig und herrlich sie auch erscheinen mögen, sind nichts ohne die Liebe."
    FRANZ VON SALES (nach Camus)


  • "Vollkommene Liebe braucht keine Rituale."
    FRANZ VON SALES

  • "Folgende zwei Dinge müssen wir miteinander vereinen: einerseits eine äußerst große Liebe zum Guten und Genauigkeit in unseren Gebets- und Tugendübungen, andererseits aber uns in keiner Weise verwirren und beunruhigen lassen oder uns zu entsetzen, wenn uns dabei Fehler unterlaufen."
    (DASal 6,139)

  • "Gott liebt uns, er weiß besser als wir selbst, was uns nottut."
    FRANZ VON SALES (nach Camus)

  • "Die Liebe glaubt und hofft alles Gute vom Nächsten; niemals denkt sie böse von ihm; sie hat ihre Lust an der Wahrheit und Güte, nicht aber an der Bosheit."
    FRANZ VON SALES (nach Camus, S. 193)

  • "Glaube mir, die Frömmigkeit ist das Schönste, was es gibt. Sie ist die Königin der Tugenden, die Vollendung der Liebe. Ist die Liebe eine Pflanze, dann ist die Frömmigkeit ihre Blüte; ist sie ein Edelstein, dann ist die Frömmigkeit sein Glanz; ist sie ein kostbarer Balsam, dann ist die Frömmigkeit dessen Duft, ein lieblicher Duft, der die Menschen erquickt und die Engel erfreut."
    (DASal 1,36f)

  • "Die herrlichen Blüten der Jungfrauen und Frauen: weißer als Lilien in ihrer Reinheit, leuchtender als Rosen in ihrer Liebe, haben die einen mit zwölf Jahren, andere mit dreizehn, fünfzehn, zwanzig, fünfundzwanzig Jahren lieber tausendfache Qualen erduldet, als den Glauben zu verleugnen oder auch nur auf ihr frommes Leben zu verzichten. Die einen starben lieber, als ihre Jungfräulichkeit preiszugeben, andere gaben lieber ihr Leben hin, als aufzuhören, den Leidenden zu helfen, die Betrübten zu trösten, die Toten zu begraben. Gott, welchen Starkmut hat doch gerade das schwache Geschlecht oft gezeigt!"
    (DASal 1,255f)

  • "Der Heiland hat uns von unserer frühesten Jugend an genährt und gebildet. Er hat uns in die Arme seiner göttlichen Vorsehung genommen. Durch die Taufe hat er uns zu den Seinen gemacht, hat uns mit unvergleichlicher Liebe Nahrung für Herz und Leib gegeben."
    (DASal 4,56)

  • "Wer mit Liebe predigt, predigt schon genug gegen die Irrlehrer, auch wenn er nicht ein einziges Streitwort gegen sie sagt."
    (DASal 5,184)


  • "Unser gütiger Jesus, der uns mit seinem kostbaren Blut erkauft hat, verlangt mit unendlicher Sehnsucht danach, dass wir ihn lieben und so ewig selig werden; und er verlangt danach, uns selig zu sehen, auf dass wir ihn ewig lieben. Zielt doch seine Liebe nach unserem Heil, unser Heil aber nach seiner Liebe."
    (DASal 3,118)

  • "Jene glücklichen Seelen, die nach den Mühen und Gefahren dieses sterblichen Lebens in den Hafen der Ewigkeit gelangen, erreichen dort die letzte und höchste Stufe der Liebe, die sie erklimmen können. Sie wird ihnen als Belohnung für ihre Verdienste verliehen und diese Belohnung ist nach den Worten des Herrn (Lk 6,38) nicht nur ein gutes, sondern ein überreiches, gerütteltes, aufgehäuftes, überquellendes Maß."
    (DASal 3,180)

  • "Nur eines ist wichtig: dass der Schöpfer uns liebt. Seine Liebe ist ganz sicher, und das soll uns genügen."
    (DASal 2,336)

  • "Ich kann nicht genug den Eifer bewundern, mit dem der hl. Ludwig diesen Rat [die Liebe zu den Armen] befolgte; er ist in jeder Hinsicht einer der größten Könige, die je die Sonne gesehen. Er bediente die Armen beim Essen, das er ihnen gab, und lud täglich deren drei an seinen Tisch. Oft aß er selbst mit unvergleichlicher Liebe die Suppenreste, die sie übrig gelassen hatten."
    (DASal 1,147)

  • "Ich bitte euch, was für ein kläglicher Eifer, was für eine kärgliche Liebe zu Gott wäre doch das, wenn wir gerade nur das tun wollten, was uns befohlen ist, und nicht mehr? Gewiss würde der nicht verdammt, der die Gebote Gottes hält und nichts darüber hinaus tut. Damit würde er jedoch beweisen, dass er sich an die Gebote Gottes nicht aus Liebe zu Gott hält, sondern aus Liebe zu sich selbst, damit er nicht verdammt werde. Das ist gerade so, als wenn sich einer rühmen wollte, kein Räuber zu sein. Nun, bist du kein Räuber, so wirst du wohl nicht gehängt, das ist aber auch alles. – Ihr haltet euch an die Gebote Gottes, die euch auferlegt sind: gut, man wird euch also nicht aus dem Kloster entlassen, aber auch bestimmt nicht für eifrige Dienerinnen Gottes, sondern für Mietlinge halten, wenn ihr nicht mehr tut."
    (DASal 2,162)

  • "Marta ist uns ein Beispiel für die Unbescheidenheit des Wollens, denn sie überstürzt sich, beansprucht die ganze Dienerschaft, rennt hin und her vor lauter Eifer, für den Herrn ja alles recht schön und tadellos zu machen. Sie kann sich in der Bereitung der Speisen gar nicht genug tun, so reichlich und gut möchte sie den Herrn bewirten … Und doch gehört nicht so viel dazu: Sich eng an den Herrn halten und wie Maria zu seinen Füßen sitzen, ihn um seine Liebe bitten, das ist mehr wert, als lange darüber nachzustudieren, wie und womit wir seine Liebe gewinnen könnten"
    (DASal 2,124)

  • "Wie ihr seht, müßt ihr von Freude erfüllt sein, da ihr vom göttlichen Heiland heimgesucht werdet. Er ist da, klopft an und sagt euch, was er will, dass ihr aus Liebe zu ihm tun sollt."
    (DASal 9,277)

  • "Ich schreibe Ihnen noch schnell in dieser Stunde, meine liebe Tochter, die ich innig und unvergleichlich in unserem Herrn liebe. Ich habe Ihre beiden Briefe vom 24. Mai und 8. Juni erhalten und aus beiden erkenne ich dieses starke Verlangen nach Ihrer Zurückgezogenheit und Stille. Auch ich, meine ich, wünsche dies ebenso stark, aber wir müssen warten, bis Gott es will. Ich will sagen, daß wir dies in aller Ruhe und in Liebe abwarten sollen; das heißt, wir müssen auch dieses Warten lieben, da Gott es so will ..."
    (DASal 5,174-175)

  • "Wir müssen unsere Herzen wie der kleine Johannes vom wilden Honig, wie vom Gewöhnlichen nähren; das heißt, alles in der Stadt wie auf dem Land für die hochheilige Liebe Gottes nutzbar machen."
    (DASal 5,132)


  • "Als Gott die menschliche Natur mit jenen natürlichen Mitteln ausstatten wollte, die ihr notwendig sind, um seine göttliche Güte zu verherrlichen, erschuf er um des Menschen willen alle Tiere und Pflanzen. Um dann für die Bedürfnisse der Tiere und Pflanzen zu sorgen, schuf er verschiedenartiges Erdreich, verschiedene Jahreszeiten, Quellen, Winde, Regenfälle, ... die Elemente, den Himmel und die Gestirne, alles in einer so wunderbaren Ordnung, dass fast alle Geschöpfe einander dienen. So tragen uns die Pferde, wir aber pflegen sie; die Schafe nähren und kleiden uns, wir aber weiden sie. Die Erde lässt Dünste in die Luft aufsteigen, die Luft hingegen spendet der Erde den Regen. Die Hand dient dem Fuß, der Fuß trägt die Hand. Zu welch leidenschaftlicher Liebe muss doch unser Herz für die allerhöchste Weisheit entflammt werden, wenn wir diese Hinordnung aufeinander betrachten."
    (DASal 3,106)

  • "Der Mensch ist Vollendung des Weltalls, der Geist Vollendung des Menschen, die Liebe Vollendung des Geistes und die göttliche Liebe Vollendung der Liebe. Daher ist die göttliche Liebe Ziel, Vollendung und Krönung des Weltalls."
    (DASal 4,168)

  • "Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, dass man sich den Notwendigkeiten der Zeit, des Ortes, des Anlasses und unserer Aufgaben anpassen muss. Ich gestehe Ihnen, dass ich keine Bedenken habe, von meiner Lebensordnung abzuweichen, wenn mich der Dienst meiner Herde festhält; denn dann muss die Liebe stärker sein als unsere eigenen Neigungen, so gut sie unsere Eigenliebe uns auch erscheinen lässt. Als ich diese Schrift verfasste, die ich Ihnen sende, war meine Absicht nicht, mich einzuengen, sondern vielmehr, mir eine Ordnung zu geben, ohne mich zu irgendwelchen Gewissensskrupeln zu verpflichten, denn Gott hat mir die Gnade verliehen, die hochheilige Freiheit des Geistes ebenso zu lieben wie die Zügellosigkeit und Leichtfertigkeit zu hassen."
    (DASal 12,22)

  • "Spiridion, ein Bischof des christlichen Altertums, nahm zur Fastenzeit einen halbverhungerten Pilger auf. Er hatte gerade nur Pökelfleisch im Haus, ließ es kochen und setzte es dem Fremden vor. Dieser wollte trotz des Hungers nichts essen. Spiridion aß nun als erster davon, obwohl bei ihm keine Notlage gegeben war. Er tat es aus Liebe, um durch sein Beispiel die Bedenken des Pilgers zu zerstreuen. So sieht die liebevolle Freiheit eines Heiligen aus."
    (DASal 5,64)

  • "Ich kann während der Fastenzeit entweder aus Liebe fasten, um Gott zu gefallen, oder aus Gehorsam, weil es die Kirche anordnet, oder aus Mäßigkeit, oder aus Fleiß, um besser studieren zu können, oder aus Klugheit, um notwendige Ersparnisse zu machen, oder aus Keuschheit, um meinen Leib zu bändigen, oder aus Ehrfurcht vor Gott, um besser beten zu können. Wenn ich will, kann ich alle diese Absichten auf einmal haben und aus all diesen Gründen fasten, doch muss ich da sehr auf der Hut sein, die Beweggründe in die richtige Reihenfolge zu bringen."
    (DASal 4,266)

  • "Wir müssen oft unser Herz prüfen, um zu sehen, ob es auch bereit ist, sich all seiner Gewänder zu entledigen, um dann auch, wenn es an der Zeit ist, die dem Dienst der Liebe zuträglichen Neigungen wieder zu ergreifen, damit wir ganz nackt mit unserem göttlichen Erlöser am Kreuz sterben und dann als neuer Mensch mit ihm auferstehen."
    (DASal 4,165)


  • "Als Antwort auf diese ungerechten und unwürdigen Gotteslästerungen rief unser Erlöser die göttlichen Worte: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun (Lk 23,34). Mein Gott, wie bewundernswert sind diese Worte! Ich bitte euch, bedenkt die Herzensgüte unseres Meisters und seht, zu welchen Mitteln die Liebe greift, um das Ziel ihrer Absichten zu erreichen, nämlich die Ehre Gottes und das Heil des Nächsten."
    (DASal 9,316)

  • "Gibt es ein liebevolleres Wort als jenes, das Jesus zu seiner Mutter und zum hl. Johannes sagte (Joh 19,26f) Worte, die ein sicheres Zeugnis für das Fortbestehen seiner Liebe und Sorge geben."
    (DASal 9,108)

  • "So stieß auch unser göttlicher Erlöser, dem Tod nahe, unter Tränen einen lauten Schrei aus und rief: 'Ach Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist' (Lk 23,46)... ein Wort, durch welches der geliebte Sohn das erhabenste Zeugnis seiner Liebe zum Vater ablegte."
    (DASal 4,153)

  • "Die Liebe ist stark wie der Tod (Hld. 8,6). Sie gibt uns die Kraft alles zu verlassen; sie ist strahlend wie die Auferstehung und schmückt uns mit Herrlichkeit und Ehre."
    (DASal 4,165)

  • "Als der Hauptmann sah, dass Jesus tot war, befahl er, ihm einen Lanzenstich in die Seite zu geben. Das geschah, und man stieß ihn genau ins Herz. Als seine Seite geöffnet war, sah man, dass er wirklich tot war, gestorben an der Krankheit seines Herzens, d.h. an der Liebe seines Herzens. Unser Herr wollte aus mehreren Gründen, dass seine Seite geöffnet wurde. Der erste Grund war, dass man die Gesinnungen seines Herzens sehe; das sind die Gedanken der Liebe und herzlicher Zuneigung für uns. Dadurch sollten wir sehen, wie sehr er danach verlangt, uns seine Gnaden und Segnungen zu schenken, ja sogar sein Herz."
    (DASal 9,245)

  • "Es gibt zwar bei denen, die Gott wahrhaftig lieben, verschiedene Grade der Liebe, aber doch nur ein einziges Liebesgebot, das allgemein und gleichmäßig jeden an ein und dieselbe ganz gleich Verpflichtung bindet. Sie wird aber auf verschiedenerlei Weise mit einer unendlichen Vielfalt von Vollkommenheitsgraden erfüllt. Es gibt wohl nicht zwei Seelen auf Erden, noch Engel im Himmel, welche die ganz gleiche Liebe haben. So wie jeder Stern vom anderen im Glanz verschieden ist (Kor 15,41), so wird jeder Heilige nach der Auferstehung sich vom anderen unterscheiden. Jeder wird ein eigenes Lied der Glorie singen und "einen Namen erhalten, den niemand kennt außer jenem, der ihn empfangen hat."(Offb. 2,17)
    (DASal 4,183)

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