Das Bischofswappen

des heiligen Franz von Sales

Der hl. Franz von Sales entwarf bei seiner Bischofsweihe kein eigenes, neues Wappen, sondern übernahm einfach das Wappen seiner Familie und ergänzte es mit Bischofsstab und Mitra. Die Bedeutung der Farben und Symbole entspricht der klassischen Symbolsprache der Wappen des französischen Mittelalters ohne besonderen theologischen oder religiösen Hintergrund.


1.  Historischer Ursprung

Der „Gründer“ des Familienwappens der Sales ist Pierre, Herr von Sales, geboren um 1237. Wie es dazu kam schildert Francis Trochu in seiner Franz von Sales Biographie „Saint François de Sales“ (Band 1 La Vocation. La Sacerdoce, Lyon-Paris 1955, Seite 29-30):
Pierre de Sales wurde von Amadeus IV., dem Grafen von Savoyen, so sehr geschätzt, dass dieser ihn bat, sich seiner Seereise anzuschließen, auf der er mit einer Armee wackerer Soldaten den Rittern auf der Insel Rhodos zu Hilfe kommen wollte, die zu dieser Zeit von den Türken belagert wurden. Während dieser Seefahrt kam es zu jener wunderbaren Erscheinung, die den Ruhm und den Reichtum von Pierre de Sales vergrößern sollte. Als ein furchtbarer Sturm die Wellen gegen die Schiffe schleuderte, erschienen plötzlich zwei fliegende Feuerkugeln am Heck des Schiffes, das den Namen Admiral trug. Daraufhin traf man sich zu einem Rat, um diese außergewöhnliche Erscheinung zu deuten und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Bei dieser Versammlung meinte Pierre de Sales, der in der Kunst der Seefahrt sehr gewandt war, dass es sich bei diesen beiden Lichtzeichen um die Sterne Castor und Pollux (heute Sternbild der Zwillinge) handle und diese ein sicheres Zeichen dafür wären, dass sich der Sturm sehr bald legen würde. Es gebe daher keinen Grund die Fahrt abzubrechen, im Gegenteil: es wäre notwendig, diese unverzüglich fortzusetzen.
Zur Erklärung: In der römischen Mythologie sind Castor und Pollux die beiden ungleichen Zwillings-Halbbrüder des Zeus. Als Sternbild der Zwillinge hatten sie besondere Bedeutung für die Seefahrt und waren dort helfende Gottheiten, die man in Seenot anrufen konnte. Die Zwillinge am Sternenhimmel zu sehen, bedeutete also für die Seeleute immer ein sehr gutes und beruhigendes Zeichen.
Francis Trochu schreibt in seiner Biografie weiter: Dieser Rat des Pierre de Sales wurde befolgt. Die christliche Flotte erreichte die Insel Rhodos und die Türken wurden in die Flucht geschlagen. Im Glanz dieses Sieges erhielt Pierre de Sales die Erlaubnis, sein Schild mit zwei goldenen Sternen, die Castor und Pollux darstellen, und mit einer Mondsichel, dem Zeichen der Türken und Sarazenen zu verzieren. Nach der Befreiung der Insel Rhodos begleitete Pierre de Sales den Prinzen von Savoyen auch noch nach Rom, wo der Papst und der Kaiser Pierre hohe Anerkennung und großes Wohlwollen bekundeten. Hinzufügen muss man noch, dass Pierre de Sales ein Wissenschaftler war, der besonders in der Mathematik sehr gewandt war und gerade die Bildung das Fundament seines Ruhmes darstellte. Dies sollte für die Adelsfamilie der Sales stets eine große Motivation sein, sich vor allem um die gute Bildung ihrer Kinder zu sorgen, selbst wenn diese dazu ausersehen waren, das Kriegshandwerk zu erlernen. Denn, so war die Familie Sales seit ihrem Ahnen Pierre überzeugt, die Wissenschaft ist den großen Heerführern sehr nützlich.

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2.  Farben und Symbolik des Wappens

Auf diesem historischen Hintergrund können also die Farben und Symbole des salesianischen Wappens folgendermaßen gedeutet werden:
Der blaue Hintergrund symbolisiert die Schönheit, Majestät und Frömmigkeit der Familie Sales. Die beiden roten Querlinien, die das Wappen in drei gleich große Abschnitte teilen, bedeuten Mut, Tapferkeit und Furchtlosigkeit. Diese roten Streifen sind in Gold eingerahmt, die Farbe für Reichtum, Macht, Glaube, Reinheit, Ausdauer und Treue.
Die Mondsichel oder das Hörnchen mit den beiden Spitzen nach oben symbolisiert einerseits die adelige Herkunft der Sales, andererseits weist dieses Symbol auf das Anwachsen des Reichtums, der Ehre oder des Ruhms hin (weil der Ahne Pierre de Sales bei der Befreiung von Rhodos mitgewirkt hatte).
Die beiden sechszackigen Sterne (Castor und Pollux, Sternbild der Zwillinge) stehen für Bildung, Scharfsinnigkeit und Klarheit des Geistes - diese Sterne sind verdoppelt, um die Geistesgröße der Familie Sales und die Bedeutung der Bildung in dieser Familie hervorzuheben.

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3.  Der Wappenspruch NON EXCIDET

Die Familie Sales wählte als Wappenspruch das Wort „nec plus nec minus“, also „nicht mehr und nicht weniger“. Damit brachten die Familie ihr Selbstbewusstsein zum Ausdruck: So sind wir, eine adelige Familie, voller Majestät, Tapferkeit, Ruhm, Reichtum, Geistesgröße - nicht mehr und nicht weniger.
Franz von Sales ersetzte dieses Motto durch die Worte „non excidet“ – „er/sie/es wird nicht untergehen, nicht verloren gehen, nicht in die Irre gehen.“ Dieses Motto hat sich Franz von Sales nicht erst bei der Bischofsweihe gewählt, sondern bereits als Student in Paris im Kolleg Clermont, dort also, wo er auch seine Glaubenskrise erlebte. Es ist also nicht nur sein Wahlspruch als Bischof, sondern in gewisser Weise sein Lebensmotto von Jugend an. Es gibt Zeugnis von seinem großen Optimismus und Gottvertrauen. Was mit dem "er" "sie" oder "es" gemeint ist, lässt Franz von Sales offen: die Familie, die Kirche, der Glaube, er selbst. Ein Hinweis auf die genaue Bedeutung kann auch ein Blick auf die Bibel liefern. Dieser Ausdruck „non excidet“ wird in der lateinischen Bibelübersetzung (Vulgata), also in jener Bibel, die Franz von Sales benutzte, im Buch Judith 11,6 verwendet. Dort sagt Judith zu Holofernes (nach der deutschen Einheitsübersetzung): „Wenn du dem Rat deiner Magd folgst, dann wird Gott dein Unternehmen zu einem guten Ende führen, und mein Herr wird sein Ziel nicht verfehlen.“ In diesem Sinne bedeutet „non excidet“ also: Wer auf Gott vertraut und ihm folgt, der wird ans Ziel kommen, das Gott für ihn bestimmt hat, egal was passiert: er, sie, es wird nicht verloren oder zugrunde gehen.

Herbert Winklehner OSFS


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